Lifestyle
Neue Musik für den Sommer
Die Fantastischen Vier - Für dich immer noch Fanta Sie
Die Stuttgarter HipHop-Ikonen, die seit 21 Jahren im Geschäft sind, haben wieder zusammengefunden und in alter Besetzung ein neues Album produziert. Dabei nehmen sie in Ihren Texten wieder allerlei Alltägliches aufs Korn und verpacken das Ganze in „Breitband-Rap“. Jeder der Vier hat seine ganz persönlichen Einflüsse zum Gesamtwerk beigesteuert. Musikalische Wiedererkennungswerte sind dabei Programm, denn immer wieder zeigen sich tonale Ähnlichkeiten aktueller Songs mit Kompositionen älterer Alben. Manche nennen es typisch, andere ideenlos. Da werden sich die Geister scheiden. Man hat nicht zwingend das Gefühl, etwas komplett Neues zu hören. Der eine odere andere Track hebt sich ein bisschen von der Masse ab, andere wiederum gar nicht. Z. B. der Song „Für dich immer noch Fanta Sie Teil 2“ räubert auf erfrischende Weise beim typischen Deichkind-Style, während „Mantra“ auch aus einem Thomas D-Soloalbum stammen könnte. Die Fantas bleiben ihrem Stil treu, rutschen von der HipHop-Schiene oft und bewusst in Richtung Pop ab und wollen einfach nur unterhalten. Ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen, etwas mehr Mut auf Neues, ein Ausrufezeichen für musikalische Weiterentwicklung. Echten Fans dürfte das Album natürlich gefallen, wer aber einen Meilenstein der Fanta Vier-Collection erwartet hat, wird etwas enttäuscht sein.
Cypress Hill - Rise Up
Die Spannung unter Kennern der HipHop-Szene und Musikredakteuren war enorm, denn wenn eine der prägendsten HipHop-Bands der letzten Jahrzehnte ein neues Album ankündigt, sind die Erwartungen hoch – erst recht wenn es sich dabei um Cypress Hill handelt. Werden sie einen komplett neuen Weg einschlagen oder dem typisch basslastigen und knirschenden Sprechgesang mit Metal-Elementen der frühen Jahre treu bleiben? Oder sind sie doch auf den Trend-Zug „Massenkompatibilität“ aufgesprungen? Um die Antwort vorwegzunehmen: sie sind ihrem ureigenen Stil treu geblieben, genau wie es die echten Fans erwartet haben. Keine großen Experimente, aber auch keine komplette Kopie früherer Alben. Ruhige HipHop-Balladen, typische Cypress Hill-Songs und Metal-ähnliche Kompositionen sind allesamt auf dem Album vertreten. Erfolg müsste bei diesem Werk eigentlich Programm sein. Denn Größen wie Pitbull, Everlast oder Mike Shinoda von Linkin Park und Tom Morello (Rage against the Machine) haben Cypress Hill kräftig unterstützt. Vom ersten Track an wackelt man unwillkürlich mit, der Kopf nickt. Die vier Musiker haben ein sehr überzeugendes Machwerk abgeliefert, alle Anforderungen für ein Knalleralbum werden erfüllt. Als Cypress-Fan kommt man um „Rise Up“ nicht herum – und die jungen Karnickel der HipHop-Szene dürften ruhig auch mal das Album in die Einkaufstüte legen um zu lernen, wie man über Jahrzehnte hinweg guten HipHop produziert und eine gewisse Nachhaltigkeit in der Szene erlangt.
Nas & Damian Marley - Distant Relatives
Der Name „Marley“ dürfte Musikkennern ausreichend bekannt sein. Und die Vermutung stimmt: bei Damian Marley handelt es sich um den jüngsten Spross der Reggae-Legende Bob Marley. Nas hat seinen Stil erweitert und nennt das Ganze „Rap meets Reggae“. Nas bezeichnet in einem Interview beide Musikstile als entfernt verwandt, was dem Album „Distant Relatives“ den Namen gibt. Erfolg muss Pflicht sein, da die letzten Nas-Alben nicht den erwarteten Anklang fanden um an die vorangegangen Erfolge anzuknüpfen. Trotzdem hat der Rapper angekündigt, dass ein Teil des Erlöses einer Wohltätigkeitsorganisation in Afrika zu Gute kommt. Das Album wird voraussichtlich im Juni veröffentlicht und die Hörer dürfen sich dann auf 15 Tracks mit Beiträgen von Guest Stars wie Joss Stone, Stevie Wonder, Erykah Badu, Snoop Dogg, und Stephen Marley freuen. Eine zusätzliche Dokumentation rund um das Thema Hiphop/Reggae ist ebenso in Planung. Der Rapper und sein Kumpane haben sich ordentlich ins Zeug gelegt und liefern einen neuen Sound, der definitiv Potenzial hat nicht nur den Sommer über für gute Stimmung zu sorgen.
Faithless – The Dance
Die britischen Dancefloorspezialisten haben sich angemessen Zeit gelassen ein neues Studioalbum auf den Markt zu bringen. „The Dance“ ist somit die Nummer Sechs ihres kreativen Beisammenseins und soll, wie die vorangegangenen Platten, in England wieder Goldstatus erreichen. Das schon 15 Jahre bestehende Trio um Frontman Maxi Jazz ist bekannt für treibende Beats und wummernde Bässe. Die Faithless-typische Mischung vereint House, Trance, Elektronik und TripHop und hält den Zuhörer in permanenter Bewegung. Natürlich wird die Londoner Combo wieder von Gästen unterstützt: so steuert beispielsweise bei zwei Songs Dido ihre unverkennbare Stimme bei. Von den zehn offiziellen Tracks auf dem Album ist bis auf eine reine Reggaenummer (Crazy Bal’heads) jeder Track so durch und durch Faithless, sodass sich Fans keine Sorgen machen müssen, mit „The Dance“ ein Experimentalalbum oder ähnliches zu erwerben. Wenn Kritiker nach Abwechslung rufen, haben und werden sie Faithless nie verstehen, denn das Kopieren von Rhythmen und Soundflächen gehört einfach zu deren unverwechselbarem Stil. Dennoch ist eins auch klar: die Songs funktionieren immer noch samstagabends in den Clubs oder bei einer Live-Performance auf der großen Bühne am besten und nicht im heimischen Wohnzimmer, außer man dreht den Regler bis zum Anschlag. Dann knallt „The Dance“ ordentlich und zaubert ein befriedigtes Lächeln ins Gesicht.
Christina Aguilera - Bionic
In Zeiten von Lady Gaga und einer etwas alternden Madonna mischt Christina mit ihrem neuen Album munter im Markt der begnadeten Körper und ausgefallenen Outfits mit. Nach vier Jahren Babypause greift die Solistin wieder voll an. Bei insgesamt 18 Tracks (mit allerdings vielen Intros) drängt sich einem der Verdacht von „Masse statt Klasse“ auf. Sicher, Christina Aguilera hat eine herausragende Stimme und ist absoluter Profi, trotzdem klingt die Symbiose aus elektronischen Sounds, Pop und Dancefloor etwas gewöhnlich und so hätte der eine oder andere Song, wie „Not myself tonight“, ebenso von anderen weiblichen Pop-Ikonen performt werden können. Das liegt auch daran, dass viele Produzenten und Songwriter am Album mitgewirkt haben und allem Anschein nach einige Kompositionen aus der Ablage „Mittelmäßig“ wieder herausgekramt haben. Es klingt doch sehr verdächtig nach Kommerz und Sex sells. Der Eindruck wird durch eine Flyerbeigabe im CD-Booklet mit Werbung für Christinas neues Parfüm verstärkt. Zum Glück schafft es Frau Aguilera dennoch ihr Album relativ variabel zu gestalten und neben reinen Dancefloor-Tracks auch Balladen zu integrieren, bei denen sie ihr eigentliches Können voll ausspielen kann. Und da punktet sie dann auch wieder in Sachen Qualität. Alles in Allem ist „Bionic“ ein etwas verkrampfter Versuch, um jeden Preis im Markt wieder Fuß zu fassen. Obwohl sie mit mehreren Songs des neuen Albums beweist, dass sie das eigentlich nicht nötig hätte. Durchwachsen...



























